Heidi Niedermair y Business Yachtclub en Der Spiegel

por BYCTeam

 

 

 

Segelclub-Besitzerin Niedermair: "Budgetlimits gab es nicht"

Im alten Hafen der Stadt springt Heidi Niedermair mit einem Satz vom Steg auf eines ihrer Sportboote. Die 39-Jährige kam vor zehn Jahren aus Südtirol nach Spanien, um kurz darauf einen Yachtclub zu gründen. Von der Alpenbewohnerin zur Wassersportexpertin: Solche Karrieren seien zu der Zeit völlig selbstverständlich gewesen, sagt Niedermair. "Es war alles da: Lust, Geld, junge Menschen und viel Platz für neue Ideen", sagt sie. "Aber es war absurd, welche Summen Firmen für Kultur- und Freizeitprojekte ausgegeben haben. Budgetlimits gab es einfach nicht." Nach der Firmengründung sei alles sehr schnell aufwärts gegangen. "Es lief von allein. Denn es gab nicht nur viel Bares in der Stadt, zum Barcelona-Lebensgefühl gehörte Segeln einfach dazu."

Niedermair trägt eine dicke Segeljacke und eine getönte Brille, um sich gegen die Februarsonne zu schützen. Das Barcelona-Licht ist warm und weich. Daran mag es liegen, das Niedermairs Sätze harmloser wirken, als die des Designers Lorenz in seinem Altstadtbüro. "2008 ist die ganze Dynamik plötzlich verpufft. Danach wurde alles mühsamer", sagt Niedermair.

Allerdings war das, was Niedermair in ihren ersten Jahren in Spanien als "ganz normal" empfand, ein beispielloses Wirtschaftswunder. Mit Wachstumsraten von im Schnitt mehr als drei Prozent eilte das Land dem Rest Europas davon. Für Barcelona galt das besonders - auch weil die Zentralregierung mit dem Geld prasste als gäbe es kein Morgen.

Im Jahr 2012 liegt die Arbeitslosigkeit in Barcelona bei rund 20 Prozent - deutlich höher noch als in Mecklenburg-Vorpommern. Das schnelle Wachstum gehört der Vergangenheit an. Die Regierung muss sparen. Selbst das weltberühmte Opernhaus Liceu muss nun zwei Monate schließen, um den Ausfall der Subventionen zu verkraften.

"Zum Glück" habe ihr Business Yachtclub zwei Standbeine, sagt Niedermair, eins für Privatmitglieder, die eine monatliche Pauschale zahlen. Und eins für Firmenkunden, die Segelboote mieten, um ihren Mitarbeitern und Kunden etwas Gutes zu tun. Die Kunden kämen von überall aus Europa, berichtet Niedermair, mittlerweile überwiegend aus dem Norden. "Das federt den Rückgang bei den spanischen Firmen ab."

Niedermair ist sich sicher: Es ist das Rezept der zugewanderten Unternehmer, in schwierigen Zeiten auch auf den internationalen Markt setzen zu können. Sie nutzen ihre Sprachkenntnisse und Kontakte in die alte Heimat - ein Vorteil gegenüber den meisten Spaniern, die die jetzige Krise mit voller Wucht trifft.

Aus Barcelona berichtet Yasmin El-Sharif


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